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Mama!

„WANDELT WIE KINDER DES LICHTES“
(Epheser V, 8)

Wir Eltern, Lehrer und Erzieher haben den Auftrag, die uns anvertrauten Kinderseelen zu jenem Licht zu führen, das ihr Leben und ihr Glück ausmachen wird. Jede Woche möchten wir Sie mit Zitaten von klugen Menschen und Zeitzeugen bekanntmachen, die unseren eigenen Weg erleuchten können. Sagte nicht der heilige Thomas von Aquin: „Schau nicht auf die Person, die redet, doch vertraue alles Gute, das Du hörst, Deinem Gedächtnis an.“ (aus den 16 Ratschlägen des heiligen Thomas von Aquin, „um den Schatz der Wissenschaft zu erlernen“). Viel Freude beim Lesen!

Lektüre? Eine Begleiterin, die keinem anderen den Platz wegnimmt und durch nichts anderes ersetzt werden kann.

Daniel Pennac (1944-)
Daniel Pennacchioni, Daniel Pennac genannt, frz. Schriftsteller

„Die Schule kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Sie nahm seine Zukunft in die Hand. Lesen, schreiben, rechnen … Anfangs lernte er mit echter Begeisterung. Dass all diese Striche, Schleifen, Kreise und kleinen Bögen zusammen Buchstaben ergaben, war wunderbar! Und diese Buchstaben zusammen ergaben Silben, und diese Silben, aneinandergereiht, ergaben Wörter – er konnte es kaum glauben. Und dass ihm einige dieser Wörter so vertraut erschienen, war einfach zauberhaft! Mama zum Beispiel: Mama – drei kleine Bögen, ein Kreis, eine Schleife, drei weitere kleine Bögen, ein zweiter Kreis und eine letzte Schleife – Ergebnis: Mama. Wie sollte man diesen Zauber jemals vergessen? Zunächst mit unsicherer Stimme, stammelt er die beiden Silben, voneinander getrennt: „Ma-ma.“ Und plötzlich: – Mama!
Dieser Freudenschrei markiert die Vollendung der gewaltigsten gedanklichen Reise, die man sich vorstellen kann – eine Art erster Schritt auf dem Mond, der Übergang von der völlig willkürlichen Zeichenhaftigkeit zur emotionsgeladensten Bedeutung! Kleine Bögen, Schleifen, Kreise … und … Mama! Da steht es geschrieben, vor seinen Augen, aber in ihm selbst nimmt es Gestalt an! Es ist nicht eine Aneinanderreihung von Silben, nicht ein Wort, ein Begriff, es ist nicht irgendeine Mutter, es ist seine Mutter, seine eigene – eine wundersame Verwandlung, unendlich viel ausdrucksstärker als das getreueste Foto, und doch sind es nur kleine Kreise, kleine Bögen, die jedoch plötzlich – und für immer! – aufgehört haben, sie selbst zu sein, nichts zu sein, um sich in diese Präsenz, diese Stimme, diesen Duft, diese Hand, diesen Schoß, diese unendliche Vielzahl von Details, dieses Ganze zu verwandeln, das so innerlich absolut ist und so absolut verschieden von dem, was dort auf den Zeilen der Seite, zwischen den vier Wänden des Klassenzimmers, niedergeschrieben ist…“

Daniel Pennac (1944-)
​Daniel Pennacchioni, Daniel Pennac genannt, frz. Schriftsteller


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